Börsenstrategie: Der Trend im Trend als Möglichkeit die Trefferquote zu erhöhen

In der technischen Analyse ist ein zentrales Element die Trenddefinition und das Identifizieren von Trends zum Aufspüren von Handelsgelegenheiten.

Ebendiese Verschachtelung von Trends können Sie nutzen, um eine höhere Trefferquote zu erreichen. Wie genau das geht, erfahren Sie in diesem Artikel.

Bevor nun dieses Konzept dargestellt wird, soll zunächst das Trendkonzept verdeutlicht werden, um dann dieses zu verfeinern und schlussendlich zu einem konkreten Aktienbespiel führen, welche aktuell (Stand 24.10.2017) an einer interessanten Marke stehen.

a) Dow-Theorie

Bereits in den 1880er bis 1890er Jahren hatte Charles Dow eine Trenddefinition geschaffen, die sich in ihrer grundlegendsten Aussage mit den Worten zusammenfassen läßt, dass „ein Trend so lange intakt ist, bis dieser gebrochen ist“.
Dabei ist ein Aufwärtstrend charakterisiert durch steigende Hochs und steigende Tiefs und ein Abwärtstrend durch fallende Hochs und fallende Tiefs.
Zur Veranschaulichung haben wir in Bild 1 einen idealtypischen Verlauf eines Trends. Die relativen Tiefs der Punkte RT1 bis RT3 sind die steigenden Tiefs und die beiden Punkte der relativen Hochs RH1 bis RH2 sind die steigenden Hochs.

Abbildung 1: Idealtypische Verlauf eines Trades (eigene Darstellung)

b) Trenddefinition – Die Wahrscheinlichkeit auf unserer Seite

Diese Trenddefinition wurde dann in der Literatur ständig verfeinert und findet u.a. auch Einzug in dem Standardwerk von Robert Edwards und John Magee „Technical Analysis of Stock Trends“, das in den 1940er Jahren erschienen ist, sowie später dann auch von John Murphy in seinem Hauptwerk „Technische Analyse der Finanzmärkte“ aus dem Jahr 1999 aufgegriffen wurde.

Dabei wurden bereits von Edwards und Magee in den 1940er Jahren detailliert die wichtigsten Aspekte des technischen Tradings beschrieben und erläutert, wie diese genutzt werden können, um an den Finanzmärkte zu partizipieren.

Alter Wein in neuen Schläuchen?
Dies verdeutlicht, dass viele Trading-Konzepte, die heute heiß gehandelt und als Neuerung verkauft werden im Grunde nichts wirklich Bahnbrechendess sind, sondern auf zahlreiche Autoren und Börsenhändler der letzten rund 120 Jahren zurückzuführen sind.
Was auch etwas Gutes hat, denn es zeigt, dass diese grundlegenden Annahmen nichtsdestotrotz auch heute noch funktionieren. Ganz im Gegenteil: Sieveranschaulichen, dass sich bisher die Finanzmärkte nicht wesentlich in ihren Grundwerten verändert haben und wir uns diese Möglichkeiten zur Erstellung einer einfachen Handelsstrategie zu eigen machen können.

Die Grundannahme, dass sich die Kurse an den Märkten in Trends bewegen und dass es wahrscheinlicher ist, dass sich ein Trend eher fortsetzt als das dieser bricht und der „Marktpreis alles diskontiert“, ist die Grundlage eines technisch orientierten Traders und erlaubt ihm einen statistischen Vorteil zu erlangen, sofern dieser nur Trades in Richtung des Haupttrends eingeht.

Das große Bild – Die Bestimmung der aktuellen Verfassung einer Aktie

Zunächst ist es also erforderlich das große Bild einer Aktie einzuordnen um sich über die aktuelle Verfassung des Wertes im Klaren zu sein.
Das bedeutet, dass Sie einen Wert zuerst hinsichtlich seines übergeordneten Trends beispielsweise im Tageschart auf längere Sicht betrachten und bestimmen, ob dieser sich in einem Auf- oder Abwärtstrend oder gar in einer Seitwärtsphase befindet.

Die Bestimmung des großen Bildes ist die unabdingbare Voraussetzung, bevor Sie überhaupt –beim trendfolgenden Ansatz- ein konkretes Einstiegssetup in Betracht ziehen.
Es muss zuerst ein klar ersichtlicher übergeordneter Trend auf Tagesbasis vorliegen, gemäß der oben dargestellten Trenddefinition. Erst wenn dieser Trend übergeordnet vorliegt, ist es zulässig ein konkretes Einstiegsignal auf der Handelseben zu suchen.
Das Kleine im Großen suchen – der kleine Trend zum Einstieg Hand in Hand mit dem großen Trend


Nachdem also unsere erste Hauptbedingung in einem Wert vorliegt, ist es an der Zeit auf untergeordneter Ebene, einen Handelseinstieg in Betracht zu ziehen.
Hilfreich ist hierbei abermals die Trenddefinition wie oben dargestellt.
Das heißt, dass Sie einen passenden, kleineren Trend innerhalb des übergeordneten Trends suchen, der in dieselbe Richtung weist, wie der Haupttrend.
Dadurch erlangen Sie eine erhöhte Sicherheit, da Sie mit dem größeren Trend und damit mit dem großen Kapital handeln.
Das hat zur Folge, dass Sie einen weiteren statistischen Vorteil erlangen und damit einen Trend im Trend handeln.
In anderen Worten ausgedrückt, suchen Sie das „Kleine im Großen“ wie es in dem nachfolgenden Bild 2 verdeutlicht wird.


Abbildung 2: Idealtypischer Verlauf mit Trend-Detail (eigene Darstellung)

 

Sie sehen einen roten kleineren Trend, der Bestandteil des letzten beginnenden Bewegungsimpulses ist.
Unter der charttechnischen Lupe sehen Sie in dem rechen Chartbereich innerhalb des Rechtecks diesen roten Trend im Detail.

 

Einstiegs-Setup

Anhand eines ausgewählten Einstiegs-Setups möchten wir ihnen verdeutlichen, wie das Konzept des Trends im Trend funktioniert und wie Sie ertragreiche Einstiege, bei denen Sie den statistischen Vorteil auf Ihrer Seite haben, handeln können.
Voraussetzung ist, dass es einen übergeordneten Trend gibt, der als Taktgeber für Sie funktioniert und in dessen Richtung Sie einen untergeordneten Trend handeln (vgl. hierzu Bild 3).

Trendhandel bei Etablierung eines untergeordneten kleineren Trends

Dieses konkrete Einstiegsszenario verlangt das Vorliegen eines übergeordneten Haupttrends. Sobald diese Bedingung erfüllt ist, suchen wir einen untergeordneten Trend, den wir in Richtung des Haupttrends handeln können.
Dabei versuchen wir zu Beginn einen Einstieg zu bekommen, wenn sich der untergeordnete Trend überhaupt erst etabliert.
D.h. wir versuchen beim Durchbruch des letzten relativen Hochs RH1 in den Markt zu gelangen mit einen Stopp unter dem dann nun letzten bestätigten relativen Tief RT2 (vgl. hierzu Bild 3, Rechteck).
Anhand des nachfolgenden Bild 4 erschließt sich diese Einstiegsszenario. Im roten untergeordneten Trend, welcher unter der charttechnischen Lupe im Rechteckt dargestellt wird, sehen Sie mit der gestrichelten Linie unter „E“ den Einstieg und mit der gestrichelten Linie unter „S“ den Stopp.



Abbildung 3 – Einstiegs-Setup (eigene Darstellung)

 

Konkretes Aktienbeispiel

Nachdem nun diese theoretischen Überlegungen dargestellt wurden, überführen wir das Ganze in die Praxis und betrachten konkretdrei interessante Aktien, welche die vorgenannten Bedingungen erfüllen und aktuell (Stand 24.10.2017) sich in einer interessanten charttechnischen Verfassung befinden.

In Abbildung 3 sehen Sie Aktie PJT Partners Inc. seit Oktober 2015 bis Oktober 2017. Sie sehen einen großen übergeordneten Haupttrend (blaue gestrichelte Linie),sowie einen kleineren untergeordneten Trend (grünte gestrichelte Linie), sowie eine weitere Steigerung des Trend im Trend, der nämlich den Ansatz eines noch kleineren Trends (rote gestrichelte Linie) darstellt.

Abbildung 3: Aktie PJT Partners Inc.

Aktuell steht die Aktie bei 38,05. Sollte nun die Marke von 39,08 nach oben signifikant durchstoßen werden, so würde sich ein neuer kleiner Trend (vgl. rote gestrichelte Linie am rechten Chartrand mit Pfeilspitze) ausbilden der als untergeordneter Trend vom übergeordneten Trend (in diesem Fall der grün gestrichelten Linie) anzusehen ist.

Der Einstieg würde demnach auf Höhe der waagerechten grünen Linie erfolgen und der Stopp wäre somit unter dem Tief des sich dann in der Zukunft neu ausgebildeten kleinen Trends zu setzen.

Anhand dieser theoretischen Erklärung und des praktischen Beispiels sehen Sie die Möglichkeiten den Trend im Trend zu handeln. Ein Wort zum Schluss, das nicht nur für diese, sondern für alle Strategien gilt, die es auf dem Markt gibt. Egal welches Konzept Sie verfolgen: Es wird nie dazu führen, dass es nur Gewinner gibt. Auch bei dieser Strategie wird es Verlusttrades geben, die jedoch bei konsequentem Risiko- und Geldmanagement, die Verlier kompensieren und unterm Strich zu einer positiven Rendite führen können.

 

Fazit

Abschließend bleibt festzuhalten, dass sich durch die Verwendung eines untergeordneten Trends im übergeordneten primären Trend die Trefferquote durchaus erhöhen läßt. Um dies zu erreichen ist ein Einstiegsszenario nötig und das Vorliegen eines übergeordneten Haupttrends. Sobald diese Bedingung erfüllt ist, wird ein untergeordneter Trend  in Richtung des Haupttrends gehandelt.
Dies erfolgt, indem Sie einen Einstieg erzielen sollten, wenn sich der untergeordnete Trend überhaupt erst etabliert. D.h. beim Durchbruch des letzten relativen Hochs RH1 in den Markt zu gelangen mit einen Stopp unter dem dann nun letzten bestätigten relativen Tief RT2. Dies kann zu einer erhöhten Trefferwahrscheinlichkeit führen.
Literaturliste

Murphy John, Technische Analyse der Finanzmärkte, 4. Auflage, 2007

Roberts Edwars & John Magee, Technical Analysis of Stock Trends, 1940

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