Warum gelingt es Berufshändlern dauerhaft den Markt zu schlagen, wohingegen private Marktteilnehmer den Kampf an der Börse verlieren?

Was unterscheidet diese beiden Gruppen? Sind es geheime Indikatoren, die Nähe zum Markt, komplexe Algorithmen oder Super-Computer mit schnellen und direkten High-Speed-Internetverbindungen zu den Börsen dieser Welt? Oder aber sind es am Ende ganz andere Faktoren, die schlussendlich für den dauerhaften Erfolg verantwortlich sind? Dieser Artikel gibt den Blick frei, hinter die Kulissen eines professionellen Händlers, der Tag für Tag an den Finanzmärkten aktiv ist und beständig seit Jahren erfolgreich handelt und zeigt auf, was wirklich an der Börse zählt.

Um nun also der Frage auf den Grund gehen zu können, welche Elemente für den Erfolg an der Börse für einen technisch orientierten Berufstrader essentiell sind, ist es erforderlich, dass wir die Strategie eines Händlers näher betrachten, da eine ganzheitliche Handelsstrategie unterteilt ist in mehrere Einzelkomponenten.

Zuvor jedoch werfen wir einen Blick auf Carl von Clausewitz, ein preußischer General und Militärtheoretiker, der in seiner Abhandlung Vom Kriege schrieb, dass „Taktik die Lehre vom Gebrauch der Streitkräfte im Gefecht. Die Strategie hingegen die Lehre vom Gebrauch der einzelnen Gefechte zum Zweck des Krieges“ sei.

Wenngleich dieses Zitat martialisch anmuten mag, so ist dennoch eine gewisse Analogie zwischen dem Militär und den Kampf an den Finanzmärkten nicht von der Hand zu weisen.

Ähnlich, als auch in historischen Schlachten die Clausewitz beschreibt, versuchen unterschiedliche Marktakteure tagein, tagaus sich gegenseitig zu besiegen und einen finanziellen Vorteil in Form eines Tradinggewinns für sich zu verschaffen.

Dabei ist eine Unterteilung eines Tradingstils in eine übergeordnete Strategie, nämlich der Renditemaximierung auf das eingesetzte Kapital und der Taktik, nämlich der konkreten Mittel und Wege wie dieses höhere Ziel der „Depotmehrung“ durch Planung, Vorbereitung, Umsetzung, Setups sowie Nachbereitung erreicht werden kann, sinnhaft.

Konkret bedeutet dies, dass wir diese Strategie in ihren wesentlichen Teilbereichen zunächst betrachten, um dann die Zusammenhänge zu verdeutlichen, damit schlussendlich die wesentlichen Aspekte hervortreten.

 

Grundlagen

Bevor Sie an den Finanzmärkten aktiv werden können, ist es erforderlich, dass Sie zumindest annährend „Waffengleichheit“ zwischen Ihnen und den anderen Händlern schaffen.
Dies bedeutet, Sie benötigen einige Voraussetzungen, die im institutionellen Bereich von vornherein einem Händler gegeben sind.
Diese Grundlagen umfassen im Wesentlichen folgende Punkte.

a) Hard- und Software

Sie benötigen vorzugsweise einen redundant ausgelegten Computer mit ausfallsicherer Internetverbindung. Zwei unabhängige Systeme so zum Beispiel ein Desktop-PC und ein Laptop mit jeweils eigener Internetanbindung und installierter Software ist mindestens anzuraten für den Fall, dass ein System einen Defekt hat.

Neben der Hardware benötigen Sie jedoch zwingenderweis eine Chart-Software, da das Chart im technischen Trading, ihr Hauptarbeitsmittel darstellt und Sie in der Lage sein müssen die betrachteten Basiswerte einfach und zügig in Augenschein nehmen zu können.

b) Charteinstellung

Hinsichtlich der Charteinstellung sollten Sie sich bewußt sein, dass es unterschiedliche Kursdarstellungsformen gibt, wie u.a. Kerzen-, Balken- und Liniencharts.
Sinnvoll sind Kerzencharts, da diese sehr viel Informationsgehalt bieten im Vergleich zum Linienchart. Bei Kerzencharts haben Sie nicht nur Schlusskurse, sondern auch Eröffnungs-, Hoch- und Tiefkurse innerhalb der jeweils gewählten Periode.
Die Charts können mit einer arithmetischen oder einer logarithmischen Kursskala konstruiert werden.
Grundsätzlich kann für kürzerfristige Betrachtungszeiträume die arithmetische und für längerfristige Darstellungen die logarithmische Kursskala gewählt werden. Wichtig ist, dass Sie innerhalb des gewählten Zeitraumes dann durchgängig lediglich nur die eine oder andere Darstellungsform nutzen, um Irritation zu vermeiden, da bei arithmetischer Einstellung die Kursskala gleiche Kurseinheiten anzeigt, wohingegen bei logarithmischer Skalierung in einem Long-Markt mit steigendem Abstand die prozentualen Zuwächse kleiner werden.

c) Kursdatenversorgung

Um eine kostenpflichtige Kursdatenversorgung werden Sie –wenn Sie kurzfristig im Bereich von Minuten oder Stunden handeln möchten, aber auch wenn Sie das Timing des Einstiegs im Tageschart optimieren möchten- nicht umhinkommen.
Achten Sie hierbei auf einen etablierten und verlässlichen Realtime Datenfeed – Anbieter, der nicht nur Handelsplätze wie Xetra abbildet, sondern insbesondere auch Markttiefe (Level 2) zur Verfügung stellt, denn damit erhalten Sie Einblick in die Times & Sales Liste als auch dem Orderbuch.

d) Times & Sales Liste

Die Times & Sales Liste (T&S) zeigt Ihnen jeden gehandelten Kurs mit den entsprechenden Stückzahlen realtime an und Sie können den jeweiligen neuen Kurs mit dem dazugehörigen Umsatz ablesen. Es handelt sich also um eine chronologische Liste der gesamten Marktaktivität eines Basiswertes, wobei jedes Kauf- und Verkaufsangebot und jede erfolgte Transkation hier zeilenmäßig aufgelistet wird.
Isoliert betrachtet mag der Erkenntnisgewinn hieraus auf den ersten Blick nicht überragend sein, wenngleich Sie zumindest zügig dabei erkennen können, ob ein Wert gerade aktiv und stärker gehandelt wird, also eher liquide ist, oder nicht.
Viel entscheidender jedoch ist, was sich wiederrum aus der T&S Liste dann erstellen läßt.

e) Tickchart

Mit Hilfe der T&S Liste wird die „Mutter aller Charts“ generiert, das Tickchart.
Dieses Tickchart ist ein Linien-Chart, dass jede Transkation visualisiert, indem es jeden neuen Kurs bzw. Tick aus der T&S-Liste im Chart zusammen mit der entsprechenden Uhrzeit erfasst und einen Datenpunkt im Chart markiert.
Das Tickchart kann sich demnach nicht als Kerzen- oder Barchart darstellen lassen, da es nur die stattgefundenen Transaktionen visualisiert anhand eines Datenpunktes und demnach kein Eröffnungs-, Schluss-, Hoch-, noch Tiefpunkt ausbilden kann.
Damit ermöglicht das Tickchart einen nativen und unverfälschten Blick auf die Angebots- und Nachfragesituation eines Wertes.
Es ist aus diesem Grund unverfälscht, da es nicht synthetisch in eine Periode –sei es 1 Minute, 1 Stunden, 1 Tag etc.- gepresst wird, sondern eins zu eins die getätigten Transaktionen anzeigt.
Im Grunde genommen würde ein Tickchart zum handeln ausreichen.
Jedoch ist es im Allgemeinen recht unpraktisch mit dem Tickchart z.B. ein ganzes Jahr in einem Basiswert zu betrachten. Aus diesem Grund werden in der Regel Periodencharts wie Minuten-, Stunden- oder Tageschart etc. verwendet.

f) Orderbuch

Im Orderbuch erkennen Sie dann die Abwicklung der Orders bzw. erhalten Sie Einblick in die Orderlage, d.h. Sie erhalten Einsicht in alle aufgegebenen Kauf- und Verkaufsaufträge, und können diese für die Positionierung Ihrer eigenen Handelsaufträge sinnvoll nutzen und somit einen entscheidenden Vorteil gerade im Hinblick auf kurzfristige Trades erlangen, da Sie die eigene Order im aktuellen Umfeld einordnen und diese ins Verhältnis setzen mit den Aufträgen der übrigen Marktteilnehmer und damit geschickte Preisniveaus für die Platzierung ihrer Order identifizieren können.
Schlussendlich hilft Ihnen der Einblick in das Orderbuch -auf sehr kurzfristiger Zeitebene- ob ein Wert eher steigen oder fallen wird, da Sie sehen, ob die Nachfrage oder das Angebot höher ist und damit können Sie einen Timing-Vorsprung und einen etwas besseren Preis bzw. Ausführung ihrer Order erzielen.

g) Newsfeed

Neben den Kursen benötigen Sie noch einen Newsfeed, damit Sie einen Überblick über die allgemeinem Situation im Marktgeschehen haben und insbesondere um bei speziellen außergewöhnlichen Ereignissen –zumindest im sehr kurzfristigen Trading- reagieren zu können.
Aber auch im längerfristigen Trading ist es notwendig, dass Sie geplante News wie z.B. die Arbeitsmarktdaten der USA, Zentralbanksitzungen, Bekanntgabe von Zinsentscheidungen der Zentralbanken aber auch Unternehmensnachrichten wie z.B. Quartalsberichte, Bilanzpressekonferenzen und Hauptversammlungen etc. berücksichtigen können.
So ist es auch bei längerfristigen Engagements in einer Aktie nicht zweckmäßig unmittelbar vor der Veröffentlichung wichtiger Zahlen eine Order aufzugeben, da es bei einer Kauf-Order, die z.B. über Nacht im Markt liegt und nach Börsenschluss eine Unternehmensnachricht veröffentlich wird, hin und wieder zu einem signifikantem marktbewegendem Gap kommen kann, welches dann den beabsichtigen Orderpreis erheblich verändert.

h) Broker

Nachdem nun die Vorbedingungen unter die Lupe genommen wurden, benötigen Sie zum Trading und zum Zweck der Orderaufgabe einen zuverlässigen und seriösen Broker, der Ihre Handelsgeschäfte zügig und gewissenhaft an die Börse weiterleitet.
Grundsätzlich ist ein Broker, mit dem Sie den realen Basiswert handeln, vorzuziehen.
Bei derivaten Finanzinstrumente und Brokern die solche Instrumente wie z.B. CFDs anbieten, ist zumindest eine erhöhte Sensibilität ihrerseits gefragt.
Glücklicherweise gibt es CFD-Broker, die schriftlich garantieren, dass ihre Kurse denen der Xetra eins zu eins entsprechen!
Achten Sie also bitte bei der Wahl von Brokern auf dieses Gütesiegel.
Grundsätzlich hat jedes Handelsinstrument seine Daseinsberechtigung, sofern es sinnhaft eingesetzt wird und Sie sich über die Risiken wie z.B. Hebelwirkung, Spreaderhöhung, unklare Ausführung und dergleichen bewußt sind.
Jedoch so sollten Sie sich klar sein, dass z.B. ein CFD-Kurs ein künstlich –durch den Broker erstellter Kurs ist- und nicht identisch sein muss mit dem Kurs an der jeweiligen Börse und es bei der Kursstellung erheblichen Abweichungen geben kann.
Das nachfolgende, reale Beispiel soll dies verdeutlichen.

Im Bild B1 sehen Sie einen Stunden-Chart der MDAX Aktie Salzgitter mit Zeitraum vom 13.01. bis 26.02.2015. Dieses Chart wurde mit Hilfe von TaiPan EoD und der Kursdatenversorgung von vwd erstellt und bildet den Kursverlauf des Handelssystem des Kassamarktes der Deutschen Börse der Xetra ab.

Welche konkrete Einstiegslogik bei diesem Wert zugrunde lag wird nachfolgend noch erläutert. An dieser Stelle konzentrieren wir uns ausschließlich auf die Problemstellung des Preisfeststellung und des Brokers..
Bei diesem Trade wurde der Stopp insgesamt viermal versetzt (neben dem ersten initialen Stopp), wie Sie anhand der roten Linien erkennen können. Seit dem 05.02. lag der Stopp knapp unterhalb der dritten roten Linie bei 23,95.
Im Verlauf des 12.02. kam es zu einem relativen Tiefpunkt bei 24,30.

Im zweiten Bild B2 sehen Sie ebenfalls ein Stunden-Chart der Salzgitter mit Zeitraum vom 28.01. bis 16.02. und einer Kursdatenversorgung eines CFD-Brokers.

Salzgitter – Stundenchart – Chi-X KurseQuelle: MetaTrader4, Kursdatenversorgung Chi-X. Hier sehen Sie ebenfalls ein Stunden-Chart der Salzgitter mit Zeitraum vom 28.01. bis 16.02. und einer Kursdatenversorgung eines CFD-Brokers mit Kursen aus Chi-X.
Im Chart ist der 12.02. und die Eröffnungsstundenkerze mit einem grauen Rechteck hervorgehoben.

Im Chart ist der 12.02. und die Eröffnungsstundenkerze mit einem grauen Rechteck hervorgehoben.
Sie sehen, dass kurzzeitig, der Wert bis auf 23,689 fiel (vgl. rote horizontale Linie).

Anhand dieses Beispiels wird verdeutlicht, dass eine gute Kursdatenversorgung bzw. das handeln der realen Aktie an der deutschen Börse entscheiden kann, ob Sie einen Trade im Gewinn oder im Verlust beenden.
Denn so hat der Trader, der den Trade aus Bild B1 handelte mit dem Kauf der Aktie einen ordentlichen Gewinn eingefahren, da sein Stopp bei 23,95 niemals geholt wurde.
Wohingegen der Trader, der die Aktie über CFD bei einem CFD-Broker kaufte einen Verlust einfuhr, da sein analytisch korrekter Stopp bei 23,95 wegen dem Tief, welches nur beim CFD-Broker existierteabgeholt wurde.

Dies verdeutlicht, die Wichtigkeit, dass Sie Grundlagen schaffen müssen damit Sie annährend „Waffengleichheit“ mit den andern Finanzmarktakteuren haben, um überhaupt –noch vor jeder Einstiegslogik- an den Finanzmärkten partizipieren zu können.

Werkzeugkasten der technischen Analyse

Nachdem also die Vorbedingungen und die Grundlagen erläutert sind, ist es an der Zeit nun die Hilfsmittel der professionellen Trader, die technisch orientiert arbeiten, näher unter die Lupe zu nehmen.
Dass Hauptwerkzug dieser Tradergruppe ist dabei die technische Analyse die ihrerseits die Grundlage in der Dow-Theorie findet.

a) Dow-Theorie

Bereits in den 1880er bis 1890er Jahren hatte Charles Dow eine Trenddefinition geschaffen, die in ihrer grundlegendsten Aussage sich mit den Worten zusammenfassen läßt, dass „ein Trend so lange intakt ist, bis dieser gebrochen ist“.
Dabei ist ein Aufwärtstrend charakterisiert durch steigenden Hochs und steigende Tiefs und ein Abwärtstrend durch fallende Hochs und fallende Tiefs
Zur Veranschaulichung haben wir in Bild B3 einen idealtypischen Verlauf eines Trends. Die relativen Tiefs der Punkte RT1 bis RT3 sind die steigenden Tiefs und die beiden Punkte der relativen Hochs RH1 bis RH2 sind die steigenden Hochs.

Trenddefinition – idealtypischer Verlauf
Quelle: Oliver Wissmann / Bei dieser Grafik sehen Sie einen idealtypischen Verlauf eines Trends. Die relativen Tiefs der Punkte RT1 bis RT3 sind die steigenden Tiefs und die beiden Punkte der relativen Hochs RH1 bis RH2 sind die steigenden Hochs und erfüllen damit die Trenddefinition der technischen Analyse.

b) Trenddefinition – Die Wahrscheinlichkeit auf unserer Seite

Diese Trenddefinition wurde dann in der Literatur ständig verfeinert und erweitert und findet u.a. auch Einzug in dem Standardwerk von Edwards und Magee „Technical Analysis of Stock Trends“ in den 1940er Jahren sowie später dann auch von John Murphy in seinem Hauptwerk „Technische Analyse der Finanzmärkte“ aus dem Jahr 1999.
Dabei wurden bereits von Edwards und Magee in den 1940er Jahren detailliert die wichtigsten Aspekte des technischen Tradings beschrieben und zugleich Trends, Marktteilnehmern, Volumen, Spanungserhältnisse, Formationen und dergleichen in Verbindung gesetzt und erläutert, wie diese genutzt werden können, um an den Finanzmärkte zu traden.
Dies verdeutlicht, dass die Trading-Konzepte im Grunde nichts wirklich Aktuelles sind, sondern auf zahlreiche Autoren und Börsenhändler der letzten rund 120 Jahren zurückzuführen sind.
Nichtsdestotrotz funktionieren diese grundlegenden Annahmen auch heute noch und im Gegenteil beweisen diese, dass bisher die Finanzmärkte sich nicht wesentlich in Ihren Grundwerten verändert haben.

Die Grundannahme, dass sich die Kurse an den Märkten in Trends bewegenund dass es wahrscheinlicher ist dass sich ein Trend eher fortsetzt als bricht und der „Marktpreis alles diskontiert“, ist die Grundlage eines technisch orientierten Traders und erlaubtihm einenstatistischen Vorteil zu erlangen, sofern dieser nur Trades in Richtung des Haupttrends eingeht.

Zur Verdeutlichung, dass Märkte sich in starken Trends bewegen, soll das nachfolgende Bild B4 dienen.

Bayer Tageschart – Xetra Kurse / Quelle: TaiPan EoD, Kursdatenversorgung Xetra / In dieser Grafik sehen wir die Aktie Bayer aus dem DAX im Tageschart über einen Zeitraum von rund 3,5 Jahren. Auffällig ist, dass diese Aktie über Jahre hinweg steigt und sich sehr wohl in einem übergeordneten trendmäßigen Muster mit steigenden Hochs und steigenden Tiefs bewegt.

Hier sehen wir die Aktie Bayer aus dem DAX im Tageschart über einen Zeitraum von rund 3,5 Jahren.
Auffällig ist, dass diese Aktie über Jahre hinweg steigt und sich sehr wohl in einem übergeordneten trendmäßigen Muster mit steigenden Hochs und steigenden Tiefs bewegt.

Das große Bild – Die Bestimmung der aktuellen Verfassung des Marktes

Zunächst ist es also erforderlich das große Bild einzuordnen um sich über die aktuelle Verfassung des Marktes im Klaren zu sein.
Das bedeutet, dass Sie einen Wert hinsichtlich seines übergeordneten Trends beispielsweise im Tageschart auf längere Sicht ansehen und bestimmen, ob dieser sich in einem Auf- oder Abwärtstrend oder gar in einer Seitwärtsphase befindet.

Im konkreten Fall bei Bild B4 der Aktie Bayer erkennen wir hier einen jahrelangen Aufwärtstrend, der auch zusätzlich kürzerer untergeordneten Trends wie der Aufwärtstrend seit Mitte August 2014 bis 26.03.2015 charakterisiert ist.

Suchen nicht interpretieren!

Die Bestimmung des großen Bildes ist die unabdingbare Voraussetzung, bevor Sie überhaupt –beim trendfolgenden Ansatz- ein konkretes Einstiegssetup in Betracht ziehen.
Es muss zuerst ein klar ersichtlicher Trend vorliegen, gemäß der oben dargestellten Trenddefinition. Erst wenn ein Trend übergeordnet vorliegt, ist es zulässig ein konkretes Einstiegsignal auf der Handelseben zu suchen.
Suchen Sie also was Sie im Chart tatsächlich sehen und was in der Tat ist und nicht, was Sie sich wünschen. Versuchen Sie nie ein Trend zu antizipieren. Schon überhaupt nicht im großen Haupttrend. Dieser muss deutlich sichtbar sein.

Das Kleine im Großen suchen!

Nachdem also unsere erste Hauptbedingung in einem Wert vorliegt, ist es an der Zeit auf untergeordneter Ebene, einen Handelseinstieg in Betracht zu ziehen.
Hilfreich ist hierbei abermals die Trenddefinition wie oben unter Bild B3 dargestellt.
Das heißt, dass Sie einen passenden, kleineren Trend innerhalb des primären Trends suchen, der in dieselbe Richtung weist, wie der Haupttrend.
Dadurch erlangen Sie erhöhte Sicherheit, da Sie mit dem größeren Trend und damit mit dem großen Kapital handeln.
Das hat zur Folge, dass Sie einen weiteren statistischen Vorteil erlangen und damit einen Trend im Trend handeln.
In anderen Worten ausgedrückt, suchen Sie das „Kleine im Großen“ wie es in dem nachfolgenden Bild B5 verdeutlicht wird.

Trend im Trend – iedaltypischer Verlauf / Quelle: Oliver Wissmann. Diese Grafik zeigt den idealtypischen Verlauf eines Trends und dessen untergeordneter kleinere Trend (vgl. gezoomtes Rechteck).

Im Bild B5 sehen Sie unseren idealtypischen Verlauf; jedoch etwas verkürzt aus Platzgründen damit Sie den untergeordneten Trend erkennen können.
Sie sehen einen roten kleineren Trend, der Bestandteil des letzten beginnenden Bewegungsimpulses ist.
Unter der charttechnischen Lupe sehen Sie in dem rechen Chartbereich innerhalb eines Rechtecks diesen roten Trend im Detail.

Setups

Anhand von zwei ausgewählten Setups möchten ich verdeutlichen, wie das Konzept des Trends im Trend funktioniert und wie Sie ertragreiche Einstiege, bei denen Sie den statistischen Vorteil auf Ihrer Seite haben, handeln können.
Voraussetzung bei beiden Setups ist, dass es einen übergeordneten Trend gibt, der als Taktgeber für Sie funktioniert und in dessen Richtung Sie einen untergeordneten Trend handeln (vgl. hierzu Bild B5).

a) Trendhandel bei Etablierung eines jungen Trends

Dieses konkrete Einstiegsszenario verlangt ebenfalls das Vorliegen eine übergeordneten Haupttrends. Sobald diese Bedingung erfüllt ist, suchen wir einen untergeordneten Trend, den wir in Richtung des Haupttrends handeln können.
Dabei versuchen wir einen Einstieg zu bekommen schon zu Beginn, wenn sich der untergeordnete Trend überhaupt erst etabliert.
D.h. in anderen Worten, wir versuchen beim Durchbruch des letzten relativen Hochs (RH1) in den Markt zu gelangen mit einen Stopp unter dem dann nun letzten bestätigten relativen Tief (RT2).
Anhand des nachfolgenden Bild B6 erschließt sich diese Einstiegsszenario. Im roten untergeordneten Trend, welcher unter der charttechnischen Lupe im Rechteckt dargestellt wird, sehen Sie mit der gestrichelten Linie unter „E“ den Einstieg und mit der gestrichelten Linie unter „S“ den Stopp.

b) Trendhandel aus der Korrektur

Trend im Trend mit Einstiegsorder beim Durchbruch des RH1 – idealtypischer Verlauf / Quelle: Oliver Wissmann
Diese Bild zeigt einen idealtypischen Verlauf und die Einstiegsorder beim Durchbruch des RH1.

Beim Trendhandel aus der Korrektur sind ebenfalls die vorgenannten Bedingungen erforderlich (Vorliegen eines Haupttrends, untergeordneter Trend in Richtung des übergeordneten Trends). Allerdings wird bei diesem Setup nicht sofort beim Durchbruch durch das letzte relative Hoch (vgl. Bild B6 Durchbruch durch den Punkt RH1) gehandelt, sondern man läßt den Wert sich zunächst entwickeln, um dann bei der Korrektur des untergeordneten Trends dann innerhalb der Korrekturzone (die Zone zwischen dem letzten bestätigten relativen Hochs und relativen Tiefs) einen Einstieg vorzunehmen.

Im Bild B7 wird diese Variante des Einstiegs näher dargestellt.

Trend im Trend mit Einstiegsorder aus der Korrektur im kleinen Trend – idealtypischer Verlauf / Quelle: Oliver Wissmann
In dieser Grafik sehen wir, einen idealtypischen übergeordneten Trend mit untergeordnetem kleinerem Trend (rot); also einen Trend im Trend und die konkrete Einstiegsorder für den Handel aus der Korrektur.

Sie sehen dabei dass die Vorbedingungen die gleichen sind wie bei dem Beispiel aus Bild B6. Jedoch im Unterschied dazu erkennen Sie, dass der Entry „E“ innerhalb der Korrektur des roten kleineren Trends erfolgt, wobei der Stopp „S“ an der gleichen Stelle wie unter dem vorgenannten Setup liegt. D.h., dass Sie mittels dieses Szenario ein günstigeres Chancen-Risiko-Verhältnis erlangen.

Risiko-, Geld- und Positionsgrößenmanagement

Mit einer Einstiegslogik ist jedoch die Entwicklung einer ganzheitlichen Strategie keinesfalls abgeschlossen.
Ein sehr wesentlicher Faktor in der Gesamtstrategie eines Traders muss dem Geld-, Risiko- und Positionsgrößenmanagement gewidmet werden.
Vereinfacht zusammengefasst besagt dieses, dass Sie lediglich von Ihrem gesamten Depot nur einen kleinen Teil pro Trade einsetzen.
Im Profi-Handel ist dabei eine Größenordnung von 0,25 % bis ca. 1 % des gesamten Depots als Risikobetrag zulässig, da dadurch der Kapitalerhalt am ehesten gewährleistet ist.
Neben der Betrachtung des riskierten Betrages ist hierbei ebenso auch die Gesamtbelastung des Depots zu beachten. Dies bedeutet, dass Sie sich im Vorfeld bewußt sind, wie viel von Ihrem Vermögen in den einzelnen Trades gleichzeitig investiert wird.
So stellen z.B. 10 Trades, die insgesamt 100 % des Kapitals binden, ein größeres Risiko dar, als wenn Sie bei 10 Trades lediglich 30 % ihres Kapitals investiert haben.
Denn Sie dürfen nie vergessen, dass zum einen nicht nur wegen eines exogenen Schocks an den Finanzmärkten (schwarzer Freitag, Terroranschläge, Lehman Brother Pleite, Tsunami, Entscheidung der Schweizer Nationalbank die Währungsverteidigung aufzugeben und dergleichen) gleichzeitig alle Positionen oder eine größere Anzahl an Positionen aus Ihrem Depot ausgestoppt werden können sondern, dass auch ein Stopp beispielsweise nicht an der Stelle ausgeführt wird wie beabsichtigt, aufgrund einer größeren Kurslücke.
sollte z.B. ein Gap auftreten, dass gegen Sie läuft und Ihren Stopp quasi „überrennt“, wird ihr Stopp erst zum nächsten ausführbaren Kurs aktiviert und Sie verlieren mehr, als Sie in Ihrer Planung berücksichtigt haben.

Diversifikation

Eng mit dem Thema Risiko- Geld- und Positionsgrößenmanagement verbunden ist das weite Feld der Diversifikation.
Denn durch eine aktive Diversifikation streuen Sie nicht nur das Risiko sondern nehmen auch zugleich erhöht Chancen wahr.
Unter dem Begriff der Diversifikation lassen sich nicht nur die Themen Long und Short Verteilung in einem Depot subsumieren (soll ein Quote von 50/50 oder eher 70/30 angestrebt werden) , sondern es finden sich hier auch die Themen der Assetklassenverteilung, Sektorenwechsel, Tradingstilkombination (Trendhandel am Durchbruch des letzten relativen Hochs, Trendhandel aus der Korrektur und dergleichen), Haltedauern von Trades usw. ihren Einzug.

Nachbereitung – Das Trading Journal oder der Buchhalter in uns

Abgerundet wird die Gesamtstrategie und deren Umsetzung mit der buchhalterischen Aufarbeitung der Geschäftstätigkeit.
Denn es handelt sich bei der professionellen Herangehensweise an den Finanzmärkten um eine Unternehmung wie jedes anderes Business auch und damit muss auch eine konstante Überprüfung des Geschäftsmodells erfolgen.
Das heißt in der Tradingwelt, dass jeder Trade aufgezeichnet und mittels eines aussagekräftigen Handels-Journal aufgezeichnet wird, und somit ähnlich wie die Buchhaltung in einem Betrieb jeden einzelnen Geschäftsvorgang erfasst und damit jederzeit und zeitnah durch eine betriebswirtschaftliche Auswertung eine Kontrolle und Übersicht über das Unternehmen zuläßt und damit auch im Trading eine Strategie frühzeitig überprüft, ob diese tatsächlich funktioniert und dem Ziel näher bringt eine Renditemaximierung zu erlangen.
In solch einem Journal finden dann nicht nur der Einstieg, Einstiegskurs, Zeitpunkt und Positionsgröße, Gebühren als auch die Glattstellung und die Berechnung des einzelnen Gewinns und Verlustes, sondern eben auch die Dokumentation des angewandten Setups, der Zeiteinheit, der Haltedauer und günstigstenfalls noch zusätzlich der Frage, ob ein Wiedereinstieg vorgenommen wurde oder nicht, Einzug.

Daneben bietet solch ein geführtes Journal dann jederzeit objektiv meßbare Kennzahlen, zur Prüfung, ob die Strategie sinnhaft ist. So kann nicht nur die bloße Rendite abgelesen werden, sondern auch die Höhe des Draw Down, der Dauer eines Draw Down, der durchschnittliche Ertrag pro Trade, der Profitfaktor, die Sharpe Ratio und dergleichen ermittelt werden.
Außerdem bietet ein dermaßen geführtes Journal auch noch wertvolle Erkenntnisse, um sein Handeln zu verbessern.
Daneben bietet es auch Selbstsicherheit bei einer längere Draw Down Phasen, da ein Trader nicht sofort in blinden Aktionismus verfällt und sein Handelssystem gleich über Bord wirft, weil z.B. eine Vergangenheitsbetrachtung den Schluss nahe legt, dass es bei einer statistisch signifikanten Anzahl von Trades ebenso häufig zu Gewinn- als auch Verlustphasen kommen kann und diese lediglich durchzustehen sind, da sie zur gewählten Handelsstrategie dazugehören.

Fazit

Zusammenfassend ist deutlich geworden, dass die Schlüsselkomponenten für einen dauerhaften Erfolg an den Finanzmärkten nicht in einzelnen Faktoren zu finden sind, wie z.B. in Setups oder in einer Chart-Software, sondern dass es das Zusammenspiel von allen Einzelaspekten ist.

Dabei spielen untergeordnete Faktoren wie z.B. Einstiege, welche von Privatanlegern gerne völlig übergewichtet werden, eher eine nebensächliche Rolle.
Wohingegen im Profi-Handel das Risiko-, Geld-, und Positionsgrößenmanagement, die Bestimmung des übergeordneten Trends, die Suche nach dem statistischen Vorteil und die Diversifikation viel stärker beachtet werden.

Das Berücksichtigen und sinnvolle Verknüpfen sowie richtige Gewichten aller Komponenten zu einer Gesamtstrategie ist das Geheimnis, welches den privaten Marktteilnehmer, der „hin und wieder mal etwas mitnimmt“ unterscheidet von einem professionellen Händler, der dauerhaft an den Märkten die Oberhand hat und den täglichen Kampf um die Rendite gewinnt.

Biografie – Über den Autor

Oliver Wißmann ist Jurist, Unternehmer und Trader.
Er blickt auf eine langjährige Handelserfahrung zurück, die bis in die turbulenten Neuen Markt – Zeiten zurück reicht und hat das Rüstzeug zum Bestehen an den Finanzmärkten von Grund auf erlernt und durch Erfahrungen aus dem institutionellen Handel erweitert.
So ist er nicht nur stellv. Leiter der Regionalgruppe München der Vereinigung Technischer Analysten Deutschlands e.V. (www.vtad.de) und Finanzautor. Daneben leitet er eine Trading-GmbH und ist als Berater und Ausbilder für verschiedene institutionelle Adressen tätig.